Politikum – und wer übernimmt jetzt Verantwortung?
Irgendwann war für mich der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr ausreichte, immer wieder innerhalb des Jugendamtes Neunkirchen nach Antworten zu suchen.
Zu viele Fragen waren offen.
Zu viele Widersprüche hatten sich angesammelt.
Also ging ich eine Ebene höher.
Ich wandte mich an Verantwortliche des zuständigen Dezernats und schließlich auch an die politische Spitze des Landkreises Neunkirchen.
Meine Hoffnung war eigentlich ziemlich einfach:
Irgendjemand muss doch bereit sein, sich anzusehen, was hier passiert ist.
Bis heute warte ich darauf.
Herr F. – Verantwortung im zuständigen Dezernat
Einer meiner Ansprechpartner wurde Herr F. aus der verantwortlichen Ebene des zuständigen Dezernats.
Dabei ging es mir nicht darum, dass Herr F. Entscheidungen eines Familiengerichts beeinflusst.
Es ging um etwas anderes:
Ich wollte, dass das Handeln des Jugendamtes Neunkirchen in unserem Fall aufgearbeitet wird.
In einem Gespräch, an dem auch meine Rechtsanwältin beteiligt war, wurde schließlich ein Klärungsgespräch mit Herrn K. in Aussicht gestellt.
Genau dieses Gespräch wollte ich.
Nicht um einen persönlichen Streit auszutragen, sondern um die offenen Fragen endlich gemeinsam auf den Tisch zu legen.
Wie kamen bestimmte Bewertungen zustande?
Warum gab es widersprüchliche Aussagen?
Warum wurden aus unserer Sicht wichtige Verfahrensschritte nicht vorgenommen?
Wie wurde mit schwerwiegenden Vorwürfen umgegangen?
Und wie bewertet das Jugendamt diese Vorgänge rückblickend?
Das angekündigte Klärungsgespräch fand nicht statt.
Inzwischen ist Herr K. nicht mehr für unseren Fall zuständig.
Natürlich kann das ursprünglich geplante Gespräch damit möglicherweise nicht mehr in genau dieser Form stattfinden.
Aber damit verschwinden doch nicht die Fragen.
Bis heute hat Herr F. mir keine alternative Möglichkeit für die angekündigte Aufarbeitung angeboten.
Frau G. – ebenfalls auf Ebene des Dezernats
Auch Frau G. aus dem zuständigen Dezernat wurde mit unseren Beschwerden und Fragen konfrontiert.
Es gab Schriftverkehr und Antworten.
Was mir jedoch bis heute fehlt, ist eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Kern unserer Kritik.
Nach meiner Wahrnehmung wird immer wieder über Zuständigkeiten, rechtliche Rahmenbedingungen und Verfahrensfragen gesprochen.
Aber die entscheidende Frage bleibt:
Was ist in unserem konkreten Fall passiert und wie wird das heute bewertet?
Genau diese Antwort bekomme ich bislang nicht.
Für mich wirkt es zunehmend so, als werde um den eigentlichen Kern herumgeredet.
Dabei wäre gerade jetzt der Zeitpunkt für eine Aufarbeitung.
Die Kinder sind wieder zu Hause.
Die unmittelbare Eskalation ist vorbei.
Herr K. ist nicht mehr zuständig.
Warum setzt man sich also nicht gemeinsam an einen Tisch und schaut sich an, was passiert ist?
Landrat Herr M. – die politische Spitze
Schließlich wandte ich mich auch an Landrat Herrn M., den Landrat des Landkreises Neunkirchen.
Spätestens hier dachte ich:
Jetzt müsste doch jemand bereit sein, sich mit der Angelegenheit grundsätzlich auseinanderzusetzen.
Doch auch hier kam es bislang nicht zu einem persönlichen Gespräch über die von mir angesprochenen Vorgänge.
Über das Sekretariat von Landrat Herrn M. wurde mir sinngemäß vermittelt, dass er sich aufgrund der rechtlichen beziehungsweise gerichtlichen Angelegenheit hierzu nicht äußern werde.
Das kann ich nur schwer nachvollziehen.
Natürlich soll und darf ein Landrat keine Entscheidung eines Familiengerichts beeinflussen.
Das habe ich auch nie verlangt.
Mir geht es um die Verantwortung für das Handeln einer Behörde des Landkreises.
Ein Gerichtsverfahren und die Frage, ob behördliche Abläufe richtig, nachvollziehbar und fachlich angemessen waren, sind für mich zwei unterschiedliche Dinge.
Gerade deshalb frage ich:
Wer übernimmt die politische Verantwortung für eine Aufarbeitung, wenn selbst die höchste politische Ebene auf ein Gerichtsverfahren verweist?
Und jetzt?
Das eigentlich Bemerkenswerte ist:
Der unmittelbare Streit um die Wohngruppen ist inzwischen beendet.
Die Kinder sind wieder zu Hause.
Das Gericht sah letztlich keine ausreichende Notwendigkeit mehr für die weitere stationäre Unterbringung.
Herr K. ist nicht mehr zuständig.
Eigentlich wäre jetzt genau der richtige Zeitpunkt, sich zusammenzusetzen.
Nicht mehr mitten in der Eskalation.
Nicht mit der Frage, wo die Kinder morgen leben.
Sondern mit etwas Abstand.
Und mit einer einzigen Aufgabe:
Aufarbeitung.
Was ist passiert?
Was lief richtig?
Was lief falsch?
Warum entstanden so viele Widersprüche?
Warum mussten bestimmte Fragen immer wieder gestellt werden?
Und was kann daraus gelernt werden?
Wer kontrolliert eigentlich diejenigen, die kontrollieren?
Diese Frage beschäftigt mich inzwischen weit über unseren eigenen Fall hinaus.
Jugendämter haben enorme Verantwortung.
Sie bewerten Familien.
Sie schreiben Berichte an Gerichte.
Sie können Schutzmaßnahmen einleiten.
Ihre Einschätzungen können erheblichen Einfluss darauf haben, ob Kinder weiterhin bei ihren Eltern leben.
Das ist notwendig, wenn Kinder tatsächlich geschützt werden müssen.
Aber gerade weil diese Verantwortung so groß ist, muss aus meiner Sicht auch eine funktionierende Kontrolle vorhanden sein.
Und Familien müssen wissen:
An wen kann ich mich wenden, wenn ich der Auffassung bin, dass nicht meine Familie, sondern die Behörde selbst einen Fehler gemacht hat?
Unsere Erfahrung mit dieser Frage ist bislang ernüchternd.
Herr F. hat das angekündigte Klärungsgespräch bislang nicht durch eine andere Form der Aufarbeitung ersetzt.
Bei Frau G. vermisse ich weiterhin konkrete Antworten auf die zentralen Fragen.
Und Landrat Herr M. sieht nach der uns übermittelten Rückmeldung bislang keinen Anlass für eine persönliche Auseinandersetzung mit der Angelegenheit.
Meine Tür steht weiterhin offen
Deshalb möchte ich an dieser Stelle etwas ganz deutlich sagen:
Ich bin jederzeit zu einem Gespräch bereit.
Mit Herrn F.
Mit Frau G.
Mit Landrat Herrn M.
Und mit den Verantwortlichen des Jugendamtes Neunkirchen.
Ich erwarte nicht, dass jemand an diesem Tisch sitzt und sagt:
„Herr Heubach, Sie hatten mit allem recht und wir mit allem unrecht.“
Darum geht es mir nicht.
Ich erwarte aber, dass man bereit ist, die eigene Arbeit genauso kritisch zu betrachten, wie zuvor unsere Familie betrachtet wurde.
Denn genau das ist für mich Verantwortung.
Familien zu überprüfen ist einfach, wenn man die Behörde ist.
Schwieriger scheint es zu werden, wenn eine Familie anschließend verlangt, dass auch die Arbeit der Behörde überprüft wird.
Bis heute hat diese vollständige Aufarbeitung nicht stattgefunden.
Deshalb bleibt auch dieser Teil von Systemstimmen offen.
Wenn sich etwas bewegt, werde ich darüber berichten.
Wenn Gespräche stattfinden, werde ich auch das berichten.
Und wenn Fehler aufgearbeitet werden, gehört selbstverständlich auch das hierher.
Aber solange die entscheidenden Fragen unbeantwortet bleiben, werde ich sie weiter stellen.
Denn Verantwortung endet für mich nicht dort, wo ein Gerichtsverfahren endet.
